KAPITEL 1

Willst du …?

Max

Jetzt! Gleich jetzt!

Gespannt flackert mein Blick zwischen dem Puck, den meine Kollegen gerade in Richtung gegnerisches Tor zu bugsieren versuchen, und unserem Cheftrainer hin und her. Ich weiß, was gleich kommen wird. Auch wenn ich es hasse. Doch es ist nun einmal Teil des Spieles. Ich beiße die Zähne aufeinander. Und bete innerlich, dass ich falschliege. 

Aber in dem Moment winkt mir Coach Mayer bereits zu. Sofort sprinte ich los. Die volle Goaliemontur ist dafür nicht gemacht, doch ich bin schon viel zu lange Tormann, als dass sie mich selbst in so einer Situation behindern würde. Kaum verlässt eine meiner Kufen das Eis, springt O’Mally auf die Spielfläche. Jetzt sind wir mit sechs Feldspielern auf dem Eis. Unser Tor steht leer.

Aber das ist eine häufige Taktik am Ende eines Spieles, die Trainer anwenden, wenn es um alles geht. Und wahrere Worte könnte man nicht aussprechen. Denn heute ist die Frage tatsächlich: Alles oder nichts? Wenn wir dieses Spiel gegen die New York Rangers verlieren, sind wir aus den Play-offs draußen. Dann wird es wieder nichts mit dem Stanley Cup. Dabei kann ich die sagenumwobene Trophäe beinahe schon riechen.

Doch auch wenn ich es mir fast nicht zu denken traue, ist heute ein Tag, an dem alles schiefgeht.

Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ich hab’s verschrien. Denn kaum geht der letzte Gedanke durch meinen Kopf, machen meine Teamkollegen auf dem Eis einen Fehler. Die Scheibe landet auf der Schlägerschaufel des gegnerischen Spielers mit der Nummer 64 auf dem Rücken. Ich halte die Luft an. Bete, dass dieser zu überrascht ist, darauf zu reagieren.

Aber natürlich ist er das nicht. Ganz der Profi, der er ist, dreht er sich sofort um und rast auf unser Tor zu. Hilflos spanne ich alle Muskeln an. Mache mich bereit, den Schuss aufzuhalten. Den Schuss, den ich nie werde halten können, weil ich, verdammt noch mal, hier auf der Bank sitze. Anstatt in meinem Tor zu stehen, wo ich eigentlich hingehöre.

Stöhnen und Jubeln erfassen zu gleichen Teilen die Halle, als der Puck ungehindert ins Tor schlittert. Unser Heimpublikum hier in Philadelphia ist nicht begeistert davon, dass uns der Sieg mit diesem Tor beinahe unmöglich geworden ist. Es sind aber auch genug Fans der Rangers angereist, dass deren Jubelrufe unüberhörbar sind.

Ich lasse den Kopf hängen. Doch nur für ein paar Sekunden. Denn dann klopft mir Coach Mayer auf die Schulter. Er braucht nichts zu sagen. Ich weiß, dass er mich zurück auf dem Eis haben will. Aber das ist nur Kosmetik, damit wir nicht noch höher verlieren. Denn die Uhr zeigt nur noch knapp zwei Minuten an. Eishockey ist ein verdammt schnelles Spiel. Deswegen hatten wir alle die Hoffnung, mit einem zusätzlichen Feldspieler auf dem Eis in dieser kurzen Zeit zwei Tore zu schießen. Damit den Ausgleich und die Verlängerung zu erzwingen. Jetzt sind wir aber drei Tore hinten. Die Chance, dass das noch etwas wird …

Doch ich sage nichts. Denke es vorsichtshalber nicht einmal wirklich. Ich klappe die Maske vor mein Gesicht und gleite, langsamer diesmal, zurück in mein Tor. Klopfe ein Mal auf die Querstange für Glück und mache mich bereit.

Kaum eine Viertelstunde später sitze ich auf meinem Stammplatz in der Kabine gleich neben der Tür. Es ist ungewöhnlich still. Was gleichzeitig kein Wunder ist. Ja, zu verlieren, gehört beim Eishockey dazu. Aber diese Niederlage schmerzt. Sehr sogar.

Wie ich schon befürchtet hatte, gibt es nichts Interessantes von den letzten beiden Spielminuten zu berichten. Mein Team hat bis zur allerletzten Sekunde gekämpft. Niemand hat aufgegeben. Aber wir haben trotzdem kein einziges Mal den Puck mehr ins gegnerische Tor gebracht. Jetzt sind wir aus den Play-offs draußen. Der Traum ist zu Ende.

Zumindest für dieses Jahr, versucht eine versöhnliche Stimme in mir, mich aufzumuntern. Nur hilft das leider gar nichts. Mit ein paar Tagen Abstand werde ich das auch so sehen können, aber nicht heute Abend.

Mit einer Hand fahre ich mir durch die schweißnassen Haare, die auf meinem Kopf kleben. Ich sollte mich ausziehen und schauen, dass ich unter die Dusche komme. Einige meiner Kollegen werden sicher danach noch irgendwohin gehen und ihren Frust in Hochprozentigem ertrinken. Darauf habe ich allerdings nicht wirklich Lust.

Wahrscheinlich wäre es besser, nach Hause zu fahren und für morgen einen Flug nach St. Louis zu buchen. Meine Mutter liegt mir seit Wochen in den Ohren, dass sie mich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat. Oder ich setze mich morgen einfach in eines meiner Autos und fahre in meine Heimatstadt. Es sind zwar gute vierzehn Stunden Fahrzeit, aber es ist ja nicht so, als hätte ich es eilig. Ich könnte einen richtigen Roadtrip daraus machen und unterwegs ein paar Stopps einlegen. Während der Saison fliege ich ohnehin viel zu viel …

Entschlossen stehe ich auf und schlüpfe in einem Zug aus Brustpanzer plus darüber gezogenem Trikot. Sofort ist einer unserer Equipmentmanager zur Stelle und nimmt mir alles ab. Es ist doch schön, in der besten Profiliga der Welt zu spielen. Selbst nach beinahe einer Dekade in der NHL, betrachte ich den Luxus, den wir hier haben, immer noch nicht als selbstverständlich. Ich hoffe, das bleibt so! Ein bisschen Bodenständigkeit schadet niemandem.

Als ich mich zu meinem Spint umdrehe, fällt mein Blick auf mein Handy. Ich habe es bisher mit Absicht ignoriert. In den letzten Minuten werden tausende Nachrichten und Anrufe eingegangen sein. Jetzt leuchtet es auch gerade wie ein Christbaum auf. Connor steht auf dem Bildschirm. Ich zögere einen Moment, entschließe mich dann aber doch, den Anruf meines besten Freundes entgegenzunehmen.

„Hallo?“

„Es tut mir unglaublich leid für euch“, sind die ersten Worte aus Connors Mund. 

„Aber?“, frage ich. 

Ich kenne Connor viel zu gut. Wir haben uns kennengelernt, als wir fünfzehn waren und beide dem Mathe-Klub in unserer Highschool beigetreten sind. Seitdem sind wir beste Freunde. Und egal, was Connor auch gerade gesagt hat, sein Tonfall erzählt eine ganz andere Geschichte.

„Bist du mir böse, wenn ich ehrlich bin?“, stellt er eine Gegenfrage.

Ich seufze und schüttle den Kopf, obwohl Connor das nicht sehen kann. Denn ich weiß ohnehin, was kommen wird.

„Sieh es doch so …“, fängt Connor vorsichtig an und versucht dadurch, seine nächsten Worte etwas abzumildern. „Jetzt hast du genug Zeit, um dich auf deine Pflichten als mein Trauzeuge vorzubereiten. Hast keinen Stress, dass du vielleicht eine Terminkollision bei meiner Hochzeit hast. Und dein freier Sommer ist gerade auch länger geworden. Nutz doch die Gelegenheit, um dich richtig zu entspannen.“
Wieder seufze ich. Weder Connor noch eines der anderen Mitglieder aus dem Mathe-Klub haben je meine Leidenschaft für Eishockey verstanden. Die meisten interessiert Sport überhaupt nicht. Zumindest war das in unserer Schulzeit so. Außer mit Connor habe ich mit niemandem Kontakt gehalten.

Ich lasse mich zurück auf die Bank fallen. Vielleicht ist es doch nicht die beste Idee, morgen sofort nach St. Louis aufzubrechen. Meine Eltern und meine Schwester werden mir tröstend auf die Schulter klopfen, und das war es dann. Auch sie sind keine richtigen Eishockeyfans. Ähnlich, wie die Freunde, die ich noch in meiner Heimatstadt habe. Doch ich brauche ein paar Tage, um mit der Enttäuschung, die mir in allen Knochen sitzt, fertig zu werden.

Dazu kommt … Okay, das mag vielleicht etwas blöd klingen. Aber wenn ich vor Ort bin, wird Connor sicher tausend Sachen finden, die ich als sein Trauzeuge für ihn erledigen kann. Und darauf habe ich überhaupt keine Lust. Gerade jetzt nicht. Mir ist eher danach, mich mit einer großen Schachtel Pralinen in einer dunklen Höhle zu verkriechen und in Selbstmitleid zu suhlen. Und das ist mein gutes Recht. Ich meine, wir haben erst vor wenigen Minuten die Meisterschaft verloren. Vielleicht sollte ich tatsächlich in Philadelphia bleiben. Hier habe ich zumindest mein Team, das meinen Schmerz versteht.

Im Moment habe ich beim besten Willen nicht die Nerven, mich von Connor durch ganz St. Louis schleifen zu lassen und mit irgendwelchen Floristen über die genaue Farbe der Rosen zu streiten. Oder was auch immer man zur Vorbereitung einer Hochzeit alles tun muss. Ich habe genug Geld, dass ich jemanden dafür bezahlen könnte, all das zu erledigen. Doch Connor würde das niemals akzeptieren.

Das ist eines der Dinge, die ich an ihm sehr schätze. Zwar interessiert er sich nicht für Eishockey. Aber auch das Geld, das ich damit verdiene, ist ihm egal. Mehrfach habe ich bereits angeboten, für seine Hochzeit zu bezahlen, da er als Buchhalter und seine Verlobte Melissa als Lehrerin nicht gerade ein Vermögen verdienen. 

Doch die beiden haben jedes Mal dankend abgelehnt. Deshalb habe ich zumindest eine extravagante Hochzeitsreise für sie gebucht und hoffe, dass ich bei der Hochzeit vielleicht unauffällig die eine oder andere Rechnung begleichen kann. Immerhin bin ich der Trauzeuge. Connor ist einer meiner längsten und treusten Freunde und er hat sich wirklich einen Traumtag verdient.

„Bist du noch da?“, fragt mein bester Freund.

Ups! Ich war wohl zu lange in meinen Gedanken versunken. Ich atme einmal tief aus und rufe mir in Erinnerung, dass Connors Worte ehrlich gemeint sind. Egal, wie sehr sie mich gerade frustrieren. Er will mich nicht verletzen. Es ist einfach seine Sicht auf die Welt, in der Eishockey, der Stanley Cup und alles, was sonst noch damit zusammenhängt, nicht die geringste Rolle spielt.

Und egal, was ich jetzt sage – daran wird sich nichts ändern. Connor wird nie ein Eishockeyfan werden. Im Moment zählt für ihn so oder so kein anderes Thema als seine Hochzeit. Ist wahrscheinlich nicht einmal das Ungünstigste, wenn die beiden Brautleute es kaum erwarten können, zu heiraten.

Also beiße ich die Zähne zusammen und antworte gespielt fröhlich: „Du hast recht. Ein langer, freier Sommer zum Entspannen ist genau das, was ich jetzt brauche.“

Josh

„Josh?“

Als ich meinen Namen höre, drehe ich meinen Bürosessel zu meinem Arbeitskollegen und Freund Connor herum. Sein Anblick überrascht mich etwas. Er sieht dezidiert schuldig drein. Fragend lege ich den Kopf leicht schief.

Connor zeichnet mit der Fußspitze kleine Kreise auf den ausgetretenen, blaugrauen, mit einem undefinierbaren grünen Muster durchzogenen Teppichboden, der in der ganzen Kanzlei, in der wir beide als Finanzbuchhalter arbeiten, verlegt ist. Jetzt werde ich richtig neugierig. Diese nervöse Geste habe ich bei meinem Freund nicht mehr gesehen, seit wir zusammen auf der Highschool waren. Hat er etwas ausgefressen? Aber was? So gern wir uns früher gegenseitig Streiche gespielt haben, unser berufliches Umfeld haben wir davon immer ausgeklammert.

„Also …“, fängt Connor noch einmal an, stockt dann jedoch wieder. „Wie viel Gepäck wirst du morgen für den Flug nach White Woods haben?“, kommt derart schnell aus seinem Mund, dass ich einen Moment brauche, um die Wörter in meinem Kopf auseinanderzudividieren.

Ich blinzle einmal. Zweimal. Aber auch wenn ich die Frage mittlerweile zumindest akustisch erfasst habe, ergibt der Hintergrund, warum sie gestellt wurde, immer noch nicht richtig Sinn.

Außer …

„Gibt es einen gewissen Dresscode für deine Bachelorparty, den du uns bisher verschwiegen hast?“

Doch sofort schüttelt Connor den Kopf. Hakt gleichzeitig aber ein weiteres Mal nach: „Reicht dir Handgepäck oder willst du einen Koffer aufgeben?“

Irgendwie ergibt das alles immer noch nicht wirklich Sinn. Es sei denn … 

Vor ein paar Wochen hat Connor mich gefragt, ob ich nicht einen Tag früher mit ihm nach Wyoming fliegen und ihm beim Herrichten für seinen Junggesellenabschied helfen würde. Ich war von der Frage etwas überrascht. Was gibt es für Bachelorpartys schon groß herzurichten? Aber alles für den Bräutigam. So läuft es doch bei Hochzeiten, oder? Deswegen habe ich auch nicht wirklich nachgefragt, und da ich sowieso noch mehr als genug Urlaubstage stehen habe, habe ich sofort zugesagt.

Connor war so nett, die Flugtickets für uns beide zu buchen. Ist das der Grund? Hat er irgendein Ticket gebucht, bei dem nur Handgepäck inkludiert ist, und macht sich jetzt Sorgen, noch Extragepäck teuer dazukaufen zu müssen?

„Ich plane, nicht viel mitzunehmen. In meinem Rucksack sollte alles Platz haben“, versuche ich meinen Freund, zu beruhigen.

„Okay …“, sagt Connor und sieht erleichtert aus. Wesentlich erleichterter, als ich für angebracht empfinde. So sehr manche Airlines es auch mit den Kosten für Gepäck übertreiben, der Preis würde sicher kein Loch ins Hochzeitsbudget reißen. Und dass Connor das im Griff hat, steht außer Frage. Ich habe die Excel-Sheets gesehen, in denen er und Melissa ihre geplanten Ausgaben tracken.

„Heraus mit der Sprache! Was geht hier ab?“, fordere ich endlich eine echte Antwort ein.

Schon wieder zeichnet Connor Kreise mit der Schuhspitze in den Teppich. Dabei sieht er nun aber auch noch zu Boden und weicht Blickkontakt aus. Was ist hier los?

„Uh … Du weißt ja, dass die Party in White Woods steigen wird“, beginnt Connor seine Erklärung.

Natürlich weiß ich das. Schließlich wird dort in zwei Wochen die Hochzeit stattfinden. Nur, weshalb Connor darauf bestanden hat, seine Bachelorparty ebenfalls in das kleine Kaff in Wyoming zu verlegen, ist mir nicht ganz klar. Aber auch das habe ich nicht hinterfragt. Bräutigam und so …

„Melissa hat das vorgeschlagen“, gesteht Connor dann.

Ich blinzle ihn nur an. Was hat seine Zukünftige mit den Plänen für seinen Junggesellenabschied zu tun? 

„Wir haben recht viel Zeug, das wir für die Hochzeit nach Wyoming schaffen müssen und …“
Ich kann nicht anders. Ein lautes Lachen platzt aus mir heraus. „Sag bloß, wir müssen mehrere Bundesstaaten überqueren und deinen Junggesellenabschied in diesem Kuhdorf feiern, nur damit du Melissas Schminksachen hinbringen kannst?“

„Nicht die Kosmetik, jedoch …“, beginnt Connor.

Ich winke nur ab und frage stattdessen: „Gibt es in White Woods wenigstens eine gute Bar?“

Ich war noch nie in dem Örtchen in Wyoming, aber laut dem, was ich gehört habe, soll der Ort kaum dreißigtausend Einwohner haben. Ob man dort so richtig abfeiern kann, wage ich zu bezweifeln. Ich hoffe nur, Max hat seinen Job als Trauzeuge getan und ein Lokal gemietet. Und wesentlich wichtiger, sichergestellt, dass genug Alkohol verfügbar ist. Vielleicht habe ich Vorurteile, doch kann man davon in einer Kleinstadt ausgehen?

„Aber natürlich!“, erwidert Connor hastig. „Und nicht nur eine. Nur weil du nichts als vollwertige menschliche Ansiedlung akzeptierst, das weniger als hunderttausend Einwohner hat, heißt das noch lange nicht, dass White Woods nichts zu bieten hätte.“

Ich schaue ihn nur kopfschüttelnd an. Keine Ahnung, ob ich meinem Freund nach all den Erkenntnissen der letzten paar Minuten in diesem Punkt vertrauen kann. Vielleicht sollte ich Max anrufen und fragen, was er für die Bachelorparty geplant hat. Ob ich unterwegs vorsichtshalber bei einem Supermarkt, der Alkohol verkauft, halt machen sollte … Aber das käme wahrscheinlich etwas komisch rüber. 

Connor ist unglaublich gut darin, mit Menschen auch Jahre, nachdem sich die gemeinsamen Wege getrennt haben, in Kontakt zu bleiben. Im Gegensatz zu mir. Ich bin nur noch mit ihm und Harvey aus unserem Schul-Mathe-Klub befreundet. Die beiden leben nämlich nach wie vor, so wie ich, in St. Louis. Mit Max, Snowy und Jess, die alle drei weggezogen sind, hat sich der Kontakt über die Jahre verlaufen. 

Da wäre es sicher komisch, wenn ich jetzt auf einmal Max anrufen und dann auch noch mehr oder weniger sein Organisationstalent infrage stellen würde. Aber haben Eishockeyspieler überhaupt Organisationstalent? Falls nicht, hoffe ich, dass er jemanden für diese Aufgabe angestellt hat. Genug Geld sollte er dafür mittlerweile zumindest haben. Uuuuund das ist Punkt zwei, warum ich Max nie selbst anrufen könnte. 

Wir haben uns in der Schule immer sehr gut verstanden. Bis auf ein Thema: Eishockey. Sport war noch nie mein Ding. Und  ehrlicherweise war ich entsetzt, als Max ein Sportstipendium angenommen hat, anstatt, wie er es eigentlich geplant hatte, Ingenieurwissenschaften zu studieren. Natürlich war er für das eine Jahr, das er am College war, für Ingenieurwissenschaften eingeschrieben. Aber er hat nur eine Handvoll der einfachsten Kurse belegt – um die Bedingungen seines Stipendiums zu erfüllen. Danach wurde er direkt in die NHL gedraftet.

Doch wie es scheint, war das wohl die richtige Entscheidung für ihn. Wenn ich mich jetzt aber, nach beinahe zehn Jahren, einfach bei ihm melden würde, hätte ich Sorge, dass er das so auffasst, dass ich nur an ihm interessiert bin, weil er mittlerweile unglaublich erfolgreich geworden ist. Oder an seinem Geld. Doch beides interessiert mich ehrlicherweise nicht besonders. Okay, Geld schon, sonst hätte ich nicht den Job, den ich habe. Aber ich habe kein Interesse an Max’ Geld im Speziellen.

„Bist du jetzt sauer?“, fragt Connor und klingt dabei tatsächlich unsicher. Ich habe wohl zu lange mit meiner Antwort gewartet.

„Nein, Mann“, sage ich und meine es auch. „Wir werden das Kaff schon auf den Kopf stellen. Uns ist noch nie langweilig geworden.“

Und das stimmt. Wir hatten immer die beste Zeit, wenn wir alle zusammen waren. Ich habe es nicht direkt ausgesprochen, aber ich freue mich, dass unser Mathe-Klub endlich wieder einmal zusammenkommt. Ich bin echt neugierig, wie es Jess und Snowy in den letzten zehn Jahren ergangen ist. Und natürlich auch Max – abseits von dem, was man über ihn in den Medien liest …

„Nein, langweilig, war es bei uns nie“, sagt Connor und seine Stimme hat einen eindeutig nachdenklichen Klang dabei. Dann atmet er einmal tief durch und erklärt: „Ich hole dich morgen also kurz nach acht bei dir ab. Unsere Tickets erlauben die Aufgabe von je zwei Koffern mit jeweils maximal dreiundzwanzig Kilogramm. Melissa wird sich freuen, wenn sie hört, dass sie nicht nur zwei für mich, sondern auch noch zwei für dich vollpacken kann.“
Ich stöhne laut auf. Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Lust auf mehr?